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Am Anfang war … die Musik

Mittwoch, siebter Januar 2015. Ein völlig unspektakulärer Tag, an dem die typische Jahresanfangsenergie noch mit der Sehnsucht an den gerade beendeten Skiurlaub rang. Doch dann: „Eilnachricht. Anschlag auf Satire-Redaktion in Paris. Zahlreiche Tote.“ Charlie Hebdo. Schon wieder ein Anschlag. Schon wieder mediale Schlachten, die von „denen“ und „uns“ sprechen würden. Ein weiteres Puzzleteil, das den Ruf nach einer immer stärkeren Abschottung Europas zur Folge haben würde. Es reichte!

An diesem Mittwochabend versammelten sich – wie in vielen Städten – auch in Hamburg eine Reihe Menschen, die für ihre offene, demokratische Welt einstehen und sich nicht durch einige Fanatiker verängstigen lassen wollten. Für einige Zeit war auch ich Teil dieser Menge, deren Fassungslosigkeit sich in einem körperlich bedrückenden Schweigen äußerte. Was sollte man in solch einer Situation auch sagen?

7. Januar 2015, Solidaritätsbekundung mit der Redaktion von Charlie Hebdo, Rathausmarkt in Hamburg.
Foto © DS

Ausgelöst von diesem Anschlag entstand wenig später die Ursprungsidee zu Das gleiche WORT. „Doro, Du musst ein Stück schreiben, in dem musikalische Elemente der verschiedenen Religionen miteinander verknüpft werden“, dachte ich mir. „Musik verbindet schließlich.“

Zu diesem Werk ist es nie gekommen, doch die Idee hat mich nicht losgelassen. Mehr als anderthalb Jahre später brainstormte ich mit mir selbst und die Struktur des Projekts schrieb sich auf einmal wie von selbst: Ich steuere den zu vertonenden Text bei – Texte sind schließlich mein Beruf. Die Musik schreiben professionelle Komponisten aus den diversen Traditionen. Wir erschaffen das Stück gemeinsam.

Wir lernen voneinander und miteinander. Und unsere Erfahrungen geben wir weiter: in Workshops, Seminaren und natürlich ganz besonders durch die Musik. Wir werden versuchen, durch unsere Arbeit und unsere Lebenseinstellung zum Gespräch anzuregen und Dialoge zu ermöglichen.

Und vielleicht – ganz vielleicht – führen diese Gespräche und Dialoge mit unseren Mitmenschen irgendwann dazu, dass jemand nicht einfach die nächstbeste Waffe nimmt, um seinen mutmaßlichen „Gegner“ zu ermorden, ob nun im wörtlichen oder übertragenen Sinne. Sondern dass dieser Mensch den entscheidenden Bruchteil einer Sekunde länger darüber nachdenkt, was ihn mit all denjenigen verbindet, auf die er es abgesehen hat – und die Waffe wieder weglegt.

Das gleiche WORT will seinen Teil dazu beitragen, dass zukünftig keine neuen Mahnmale mehr für Opfer von Terroranschlägen (hier das 9/11-Memorial in New York) errichtet werden müssen. Foto © DS